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28.04.2021

Kein pauschales „Recht auf Datenkopie“

Zum Auskunftsanspruch nach Art. 15 DSGVO und dem „Recht auf eine Kopie“

BAG Urteil vom 27.04.2021 – 2 AZR 342/20

Das Bundesarbeitsgericht hat in einem Verfahren, das wir über sämtliche Instanzen auf der Seite des Arbeitgebers geführt haben, entschieden, dass ein ehemaliger Mitarbeiter nicht ohne Weiteres auf Herausgabe einer Kopie sämtlicher E-Mails klagen kann, die personenbezogene Daten über ihn enthalten. Das Verfahren haben wir im Rahmen einer arbeitsrechtlichen/datenschutzrechtlichen Taskforce begleitet durch die Partner Dr. Max Wellenreuther (Arbeitsrecht) und Dr. Christian Wolff (Datenschutzrecht).

Mittlerweile wird der Auskunftsanspruch nach Art. 15 DSGVO, der in Abs. 3 auch das Recht auf Erteilung „einer Kopie der personenbezogenen Daten, die Gegenstand der Verarbeitung sind“ vorsieht, häufig in arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen als Druckmittel verwendet, ohne dass abschließend geklärt wäre, was dieser Anspruch tatsächlich beinhaltet. Aus Sicht der Anspruchsteller wird in der Regel vorgetragen, einen Anspruch auf Kopie sämtlicher Verarbeitungsvorgänge zu haben, die sich auf personenbezogene Daten beziehen. Insbesondere – jedoch nicht nur – wird dies relevant im Rahmen der geführten E-Mail-Korrespondenz. Da bereits die E-Mail-Adresse des jeweiligen Mitarbeiters ein personenbezogenes Datum ist, wären ggf. auch sämtliche von ihm versandte, an ihn gerichtete oder andere E-Mails, in denen der Mitarbeiter (oder seine E-Mail-Adresse) auch nur genannt wird, als personenbezogene Daten zu betrachten. In der Folge wird nun häufig vom Arbeitgeber pauschal verlangt, all diese E-Mails zusammenzutragen, zu kopieren und dem ehemaligen Mitarbeiter zur Verfügung zu stellen.

Dies begegnet erheblichen rechtlichen Bedenken und wird praktisch im Unternehmen kaum darstellbar sein. Im Mittelpunkt der Diskussion steht die Frage, wie das Recht auf „eine Kopie“ zu verstehen ist. In Übereinstimmung mit einigen Datenschutz-Aufsichtsbehörden sehen wir in dieses Recht nur als sehr eingeschränkten Anspruch, der sich im Wesentlichen darauf bezieht, zunächst eine strukturierte Auskunft über verarbeitete Daten in Kopie vorzulegen – nicht jedoch alle denkbaren Daten herauszusuchen, zu kopieren und dem ehemaligen Mitarbeiter damit u.a. nahezu seine vollständige dienstliche E-Mail-Korrespondenz zur Verfügung zu stellen.

Die Vorinstanzen hatten den Anspruch des ehemaligen Mitarbeiters bereits verneint. Das Bundesarbeitsgericht hat sich nun zwar nicht inhaltlich zur Auslegung von Art und Umfang des Rechts auf „eine Kopie“ nach Art. 15 Abs. 3 DSGVO geäußert; dennoch stärkt die Entscheidung die Position des Arbeitgebers. Denn das Bundesarbeitsgericht befand den Klagantrag, gerichtet auf „Überlassung einer Kopie von E-Mails“, als nicht hinreichend bestimmt (§ 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO). Der Kläger hätte vielmehr die begehrten E-Mails so genau bezeichnen müssen, dass eine spätere Vollstreckung eines etwaigen Urteils möglich wäre. Hieran fehlte es.

Praktisch wird diese Entscheidung dazu führen, dass künftig bereits erstinstanzlich pauschale Klagen dieser Art wohl schon mangels hinreichender Bestimmtheit des Antrags abgewiesen werden. Zwar ist dies noch nicht die ersehnte verbindliche Klärung, was der europäische Gesetzgeber genau unter dem Recht auf „eine Kopie“ versteht; ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu mehr Rechtssicherheit im Umgang mit datenschutzrechtlichen Auskunftsansprüchen ist damit jedoch getan. Eine schlussendlich inhaltliche Bewertung des Rechts auf „eine Kopie“ im Sinne der DSGVO wird dann ohnehin nur der EuGH vornehmen können (und dürfen).

Dr. Max Wellenreuther                        Dr. Christian Wolff

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29.03.2020

COVID-19-Pandemie: Bundesgesetze beschlossen!

Bundesgesetzgebung zum Corona-Maßnahmenpaket der Bundesregierung abgeschlossen!

Nach dem Bundestag am 25.03.2020 hat auch der Bundesrat in zwei Sondersitzungen zunächst am 25. und am 27.03.2020 das Corona-Maßnahmenpaket der Bundesregierung vom 23.03.2020 beschlossen, mit dem den Folgen der anhaltenden COVID-19-Pandemie begegnet werden soll.

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26.03.2020

Corona-Maßnahmenpaket vom Bundestag beschlossen

Der Bundestag hat in seiner außerordentlichen Sitzung vom 25.03.2020 nach kurzer Aussprache und mit breiter Mehrheit die folgenden Gesetzesentwürfe als Bestandteile des vom Bundeskabinett am 23.03.2020 beschlossenen Corona-Maßnahmenpakets verabschiedet.

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23.03.2020

Update: Geplante – voraussetzungslose – Aussetzung der Insolvenzantragspflicht

Beschluss eines Gesetzesentwurfs durch das Bundeskabinett

Das Bundeskabinett hat am 23.03.2020 einen vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) vorgelegten Gesetzesentwurf zur Abmilderung der Folgen der COVID-19-Pandemie im Zivil-, Insolvenz- und Strafverfahrensrecht als "Formulierungshilfe für die Koalitionsfraktionen" beschlossen. Dieser Entwurf ist hier auf den Seiten des BMJV zu finden und enthält ein umfangreiches Paket von Maßnahmen. Die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht ist darin als Artikel 1 ("Gesetz zur vorübergehenden Aussetzung der Insolvenzantragspflicht und zur Begrenzung der Organhaftung bei einer durch die COVID-19-Pandemie bedingten Insolvenz" (COVID-19-Insolvenzaussetzungsgesetz - COVInsAG)) enthalten.

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19.03.2020

Geplante Aussetzung der Insolvenzantragspflicht

Gesetzesvorhaben: Vorübergehende Aussetzung der Insolvenzantragspflicht für durch die Corona-Pandemie insolvenzbedrohte Unternehmen

Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) bereitet ausweislich einer Pressemitteilung vom 16.03.2020 eine neue gesetzliche Regelung zur Aussetzung der Insolvenzantragspflicht vor, um Unternehmen zu schützen, die infolge der Corona-Epidemie in eine finanzielle Schieflage geraten.

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19.03.2020

COVID-19-Pandemie: Entschädigungspflicht des Staates wegen des Verbots von Großveranstaltungen?

Im Zuge der COVID-19-Pandemie haben die Städte und Gemeinden in Deutschland alle öffentlichen Veranstaltungen ab 1000 Personen verboten. Die Stadt Kiel erließ hierzu etwa am 12.03.2020 eine Allgemeinverfügung. Es stellt sich die Frage, ob Städte und Gemeinde wegen dieses Verbots zur Entschädigung der Veranstalter verpflichtet sind. Die Antwort lautet: Dies hängt vom Einzelfall ab!

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